Im Artikel „Kohlenstoffspeicherung in Wald und Holzprodukten“, erschienen in AFZ-DerWald (Hennenberg et al. 2019 [1]), wird ein einfacher Ansatz aufgezeigt, durch den Auswirkungen der Waldbewirtschaftung auf die Kohlenstoffspeicherung in Treibhausgasbilanzen integriert werden können. Hierzu wird auf Basis des Vergleichs alternativer Waldbewirtschaftungsszenarien die Differenz der CO2-Speicherleistung (Waldfläche, Holzprodukte) mit der Differenz des Holzaufkommens ins Verhältnis gesetzt (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Beispielhafte Berechnung des CO2-Speichersaldos anhand des WEHAM Basisszenarios (W_BS) und des WEHAM Holzpräferenzszenarios (W_HPS) für den Zeitraum 2020 bis 2050.

Abbildung 1: Beispielhafte Berechnung
Quelle: Eigene Darstellung auf Basis von [2] und [3]

In Hennenberg et al. (2019 [1]) werden beispielhaft Szenarien verglichen, die mit drei Waldmodellen berechnet wurden. Der CO2-Speichersaldo ist abhängig von der Ausgangsituation der Bestände (z.B. Baumartenzusammensetzung und Altersstruktur) sowie von Annahmen zur Holzverwendung und zum berücksichtigten Zeitraum. Um eine Bandbreite von CO2-Speichersaldo-Werten zu ermitteln, sollte der CO2-Speichersaldo für verschiedene Ausgangssituationen und Annahmen berechnet werden. Zudem ist es sinnvoll, um eine gewisse Richtungssicherheit zu erhalten, vergleichbare Berechnungen mit unterschiedlichen Modellen durchzuführen. Ziel dieser Seite ist es, CO2-Speichersaldo-Werte aus unterschiedlichen Arbeiten zu sammeln. Wir laden WissenschaftlerInnen dazu ein, auf Basis ihrer Ergebnisse aus dem Vergleich alternativer Bewirtschaftungsszenarien für unterschiedliche geografische Einheiten (z.B. Deutschland, Bundesland, Region, Bestandesebene) und verschiedene Holzverwendungsannahmen den CO2-Speichersaldo zu berechnen und diese Datensammlung zu ergänzen (Kontakt: ).

Zum Vergleich:

  • Emissionen von Holzhackschnitzeln in der EU (Waldmanagement nicht berücksichtigt) [4]: 4,8 g CO2-Äq./MJ

  • Emissionen einer Heizung auf Basis von fossilen Brennstoffen [4]: 80 g CO2-Äq./MJ

Tabelle 1: CO2-Speichersaldo ausgewählter Szenarienvergleiche.

Grau hinterlegte Zellen = Vergleich mit einem Nullnutzungsszenario.
Szenario 1 (höhere Holzentnahme) Szenario 2 (geringere Holzentnahme) Rahmenangaben CO2-Speichersaldo
Szenario Name, Referenz Speicherleistung Waldbiomasse Speicherleistung Holzprodukte Holzaufkommen Szenario Name, Referenz Speicherleistung Waldbiomasse Speicherleistung Holzprodukte Holzaufkommen Region Modell Zeitraum Berücksichtigte Speicherleistung t CO2/m³ g CO2-Äq./MJ1
WEHAM-Holzpräferenzszenario [3] -17,0 Mio. t CO2 -152,0 Mio. t CO2 3.762 Mio. m³ WEHAM-Basisszenario [2] -664,5 Mio. t CO2 13,0 Mio. t CO2 2.717 Mio. m³ Deutschland WEHAM 2020-2050 Waldbiomasse und Holzprodukte 0,46 58,1
FABio-Holzszenario [5] -32,7 Mio. t CO2 5,2 Mio. t CO2 2.751 Mio. m³ FABio-Basisszenario [5] -565,5 Mio. t CO2 40,1 Mio. t CO2 2.380 Mio. m³ Deutschland FABio 2020-2050 Waldbiomasse und Holzprodukte 1,34 169,2
FABio-Basisszenario [5] -565,5 Mio. t CO2 40,1 Mio. t CO2 2.380 Mio. m³ FABio-Waldvision [5] 1.943,7 Mio. t CO2 206,2 Mio. t CO2 1.558 Mio. m³ Deutschland FABio 2020-2050 Waldbiomasse und Holzprodukte 1,47 185,6
FABio-Waldvision [5] 1.943,7 Mio. t CO2 206,2 Mio. t CO2 1.558 Mio. m³ FABio-Nullnutzung (Öko-Institut, unveröffentlichte Daten) -4.005,0 Mio. t CO2 550,0 Mio. t CO2 0 Mio. m³ Deutschland FABio 2020-2050 Waldbiomasse und Holzprodukte 1,10 138,9
FABio-Holzszenario [5] -32,7 Mio. t CO2 5,2 Mio. t CO2 2.751 Mio. m³ FABio-Nullnutzung (Öko-Institut, unveröffentlichte Daten) -4.005,0 Mio. t CO2 550,0 Mio. t CO2 0 Mio. m³ Deutschland FABio 2020-2050 Waldbiomasse und Holzprodukte 1,25 157,8
SILVA_Hainich-Nutzung [6] 23,9 t CO2/ha -30,4 t CO2/ha 196,8 m³/ha SILVA_Hainich-Schutz [6] -137,7 t CO2/ha 0 t CO2/ha 0 m³/ha Modellregion in Thüringen SILVA 30 Jahre Waldbiomasse und Holzprodukte 0,67 84,6
SILVA Hohe-Schrecke-Nutzung [6] -5,2 t CO2/ha -16,2 t CO2/ha 175,8 m³/ha SILVA Hohe-Schrecke-Schutz [6] -132,2 t CO2/ha 0 t CO2/ha 0 m³/ha Modellregion in Thüringen SILVA 30 Jahre Waldbiomasse und Holzprodukte 0,63 79,5
SILVA Vessertal-Nutzung [6] -52,0 t CO2/ha -21,6 t CO2/ha 213,0 m³/ha SILVA Vessertal-Schutz [6] -313,0 t CO2/ha 0 t CO2/ha 0 m³/ha Modellregion in Thüringen SILVA 30 Jahre Waldbiomasse und Holzprodukte 1,12 141,4
1 Energiegehalt von Holz von 7.920 MJ/m³ (abgeleitet nach FNR [7]).

Literatur:

  • [1] Hennenberg, K.; Böttcher, H.; Wiegmann, K.; Reise, J.; Fehrenbach, H. (2019): Kohlenstoffspeicherung in Wald und Holzprodukten. AFZ-DerWald 17/2019: 40-43
  • [2] Öhmichen, K. et al. (2018): Die alternativen WEHAM-Szenarien: Holzpräferenz, Naturschutzpräferenz und Trendfortschreibung. Szenarienentwicklung, Ergebnisse und Analyse. Thünen Report 59. Thünen-Institut, Braunschweig.

    Im Holzpräferenzszenario wird gegenüber dem Basisszenario das Holzaufkommen gesteigert, in dem das Produktionsende und die Zielstärken der Baumarten optimiert werden. Zudem wird die Nadelbaumart Douglasie stark gefördert

  • [3] WEHAM Basisszenario (WEHAM-BS): https://www.weham-szenarien.de

    Das Basisszenario projiziert die Waldentwicklung unter der Fortsetzung der derzeitig beabsichtigten und absehbaren Waldbehandlung

  • [4] RED II (2018): Richtlinie (EU) 2018/2001 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Dezember 2018 zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen (Neufassung).
  • [5] Böttcher, H.; Hennenberg, K.; Winger, C. (2018) Waldvision Deutschland. Beschreibung von Methoden, Annahmen und Ergebnissen. Öko-Institut, Berlin.

    Unterschieden werden in der Studie das Basisszenario, in dem die zurzeit vorherrschende Nutzungsintensität fortgeschrieben wird, das Holzszenario mit erhöhten Durchforstungs- und Entnahmemengen und einer Förderung von Nadelbäumen, sowie das Szenario Waldvision, in dem Zieldurchmesser erhöht und Eingriffsfrequenzen deutlich gesenkt, Laubbäume gegenüber Nadelbäumen gefördert und die ungenutzte Fläche von 4,1% auf 16,6% erhöht wird.

    Siehe auch: https://waldvision.de/

  • [6] Mund, M.; Frischbier, N.; Profft, I.; Raacke, J.; Richter, F.; Ammer, C. (2015): Klimaschutzwirkung des Wald- und Holzsektors: Schutz- und Nutzungsszenarien für drei Modellregionen in Thüringen. BfN-Skripten 396. BfN (Hrsg.), Bonn.

    In der Studie sind die Ergebnisse des SILVA-Modells aus drei Modellregionen in Thüringen dargestellt. Diese Modellregionen repräsentieren reiche Buchenwälder (Hainich), bodensaure Buchenwälder (Hohe Schrecke) bzw. Fichten- und Bergmischwälder (Vessertal). Verglichen werden dabei je ein Szenario, das die in Thüringen übliche forstliche Nutzung abbildet („Nutzung“), und ein Nullnutzungsszenario („Schutz“).

  • [7] Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe – FNR (2018): Basisdaten Bioenergie Deutschland 2018. Gülzow-Prüzen.